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Rathaus Stemwede - Altes Amtshaus © Copyright: Oliver Lange (Oldenburg 2014)
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03.05.2022

Grundschulprojekt »Leben mit Unterschieden«

Zu Beginn war es mucksmäuschenstill im Raum. Die Kinder wurden auf verschiedenen Sprachen begrüßt - auf Plattdeutsch, Japanisch, Griechisch und in Gebärdensprache. Manche konnten etwas davon verstehen, die meisten waren aber völlig ahnungslos.

Diesen Einstieg und das weitere Projekt „Leben mit Unterschieden“ haben Tabea Witte und Georg Groenhagen vom Life House, Heike Attrot von der Lebenshilfe und Gabi Hohmeier von der Schulsozialarbeit an den Stemweder Grundschulen durchgeführt. Es fand in der Montessori-Grundschule in Haldem (Dr. Jürgen und Irmgard Ulderup-Schule), der Grundschule Levern und der Grundschule Oppenwehe statt. Es nahmen insgesamt gut 170 Stemweder Schüler daran teil. Das Projekt richtete sich an alle Kinder aus der dritten und vierten Klasse und dauerte jeweils zwei Unterrichtsstunden.

Alle sind unterschiedlich, jeder hat versteckte Fähigkeiten, jeder kann etwas Besonderes und auch Menschen mit Einschränkungen können Experten sein. Das sollten alle gemeinsam in einem Erfahrungsparcours erleben. Die Kinder konnten erfahren und zeigen was in ihnen steckt, welche Stärken sie haben, aber auch was ein Leben mit Einschränkungen bedeuten kann. Da der Parcours sehr erfahrungsorientiert war, beteiligten sich selbst die Kinder sehr gut, die noch nicht gut deutsch konnten. Nach dem Einstieg wurde jede der neun Klassen in jeweils vier Gruppen aufgeteilt und durchlief nacheinander die vier Stationen: „Bewegungskünstler“, „Ausdrucksstark“, „Durchblicker“ und „Alleskönner“.

Bei „Bewegungskünstler“ galt es einen Parcours mit einem Rollstuhl zu bewältigen z.B. durch eine enge Stelle oder eine Bordsteinkante hoch zu fahren. Nachdem die Kinder es allein bewältigt hatten, durften sie sich auch noch schieben lassen – vorwärts und rückwärts – und nachempfinden, wie es ist, wenn sie dem Anderen vertrauen müssen.

Bei „Ausdrucksstark“ wurde den Schülerinnen und Schülern die Gebärdensprache gezeigt und erklärt. Je nach Geschick konnten die Kinder hinterher ihren Namen in dieser neuen Sprache buchstabieren und zum Schluss lautlos applaudieren.

Bei den „Durchblickern“ wurde simuliert, wie das Leben mit einer Einschränkung im Bereich „Sehen“ ist. Mit einer Augenmaske konnten die Kinder versuchen Dominosteine richtig aneinander zu legen. Dann konnten sie ihr Hörvermögen testen und beim Hör-Memory die gleichen Geräusche zuordnen.

Die „Alleskönner“ überlegten welche Stärken und besonderen Fähigkeiten die anderen Klassenkameradinnen und -kameraden aus ihrer Gruppe haben und notierten es sich gegenseitig als Erinnerung.

Zum Abschluss wurde im Klassenverband noch einmal unterstrichen, dass jeder etwas kann und auch jemand der eine Einschränkung hat, dafür in einem anderen Bereich besonders gut sein kann. So kann zum Beispiel jemand der nicht sehen kann, vielleicht besonders gut hören und tasten. Ein viel besserer Begriff für Behinderung ist die Bezeichnung Andersbegabter. Denn auch jemand der eine sogenannte Behinderung in einem Bereich hat, kann seine Umwelt durch andere Fähigkeiten bereichern.

Am Ende des Projektes wurde jedem teilnehmenden Kind eine Urkunde übergeben. „Das war richtig gut, wann kommt ihr wieder?“ fragte Anna beim Abschluss des Projektes.

Unterstützt wurde das Projekt von der Arbeitsgemeinschaft offene Tür in NRW.